Begriffe-Lexikon

A

Akustische Ampeln

Akustische Ampeln sind, zusätzlich zu den Lichtsignalen, auch mit hörbaren Signalen ausgestattet. Fehlt diese äußerst nützliche und sinnvolle Ergänzung zum optischen Ampelsignal richten sich Blinde und sehbehinderte Menschen beim Überqueren einer Straße nach der Fließrichtung des Verkehrs, was beim Straßenlärm nicht immer einfach und vor allem bei komplizierten Kreuzungen schwierig ist.

Akustische Anzeigen

Bei diesen spricht eine zumeist menschliche Stimme jene Informationen, welche sonst nur optisch verfügbar wären. Für blinde und sehschwache Menschen sind diese sehr wichtig, bedeuten sie doch mehr Selbstständigkeit. In den öffentlichen Verkehrsmitteln ist es beispielsweise sehr hilfreich, wenn die nächstfolgende Station angesagt wird. Auch die Ausstiegs-Richtung kann nützlich sein.

Arbeitsassistenz

Arbeitsassistenz ist eine der unterschiedlichen Maßnahmen des Sozialministeriumsservice zur Förderung und Unterstützung der Beschäftigung von behinderten Menschen am sogenannten „1. Arbeitsmarkt“.

Audiodeskription

Mit diesem Verfahren kann aus einem Film ein blindengerechter Hörfilm werden. In knappen Worten werden nicht hörbare Elemente der Handlung, aber auch Gesichtsausdrücke, Gesten oder die Umgebung beschrieben. Damit blinde und sehbehinderte Menschen Dialoge nicht verpassen, werden diese nur in den Dialogpausen eingesprochen.

B

BIID

"BIID" bedeutet "Body Integrity Identity Disorder“ (wörtlich: „Körper-Integritäts-Identitäts-Störung“). Diese psychische Erkrankung beschreibt die tiefe Sehnsucht eines Menschen, beispielsweise mit einer amputierten Gliedmaße zu leben oder mit einer Lähmung, Seh- oder Hörminderung.

Bildschirmlesegerät

Dieses Gerät dient vor allem Menschen mit eingeschränktem Kontrastsehen oder wenn starke Vergrößerungen benötigt werden. Von hochgradig sehbehinderten oder blinden Menschen kann dieses Hilfsmittel allerdings nicht verwendet werden. Einfach gesagt ist es eine Art „Hightech-Lupe“.

Blindenführhund

Blindenführhunde gehören zur Gruppe der Assistenzhunde und sind für viele blinde und schwer sehbehinderte Menschen ein Hilfsmittel zur sicheren und individuellen Mobilität. Dadurch sind sie ein wichtiger Bestandteil der Teilhabe von blinden Menschen in der Gesellschaft.

Blindenkurzschrift

Bei Verwendung der Schwarzschrift (Schrift für Sehende) passen rund 3.500 Zeichen auf eine A4-Seite, in Brailleschrift sind es nur etwa 1.000 Zeichen. Ein Buch in Schwarzschrift umfasst daher in Braille-Version gleich mehrere Bände.

Bliss

Das Bliss-Symbol-System ist eine international vereinheitlichte Symbolsprache, welches ursprünglich von Charles Blitz, der sich später Bliss nannte, entwickelt wurde. Im 2. Weltkrieg gelang ihm die Flucht vom damals nationalsozialistischen Österreich nach China.

Brailletafel

Bei der Brailletafel handelt es sich um ein Hilfsmittel zum Schreiben der Blindenschrift, wobei immer eine Schablone (die Braille- oder Schreibtafel) und ein Griffel oder Stichel dazu gehören. Die Schablone besteht aus zwei auf einer Seite verbundenen Platten aus Metall oder Kunststoff.

Braillezeichen

Ein Braillezeichen, auch „Zelle“ genannt, besteht aus sechs in drei Reihen und zwei Spalten angeordneten Punkten. Den Punkten in der linken Spalte sind die Zahlen 1-2-3, in der rechten die Zahlen 4-5-6, jeweils von oben nach unten, zugeordnet.

Braillezeile

Als "Braillezeile" (oder Braille-Display) bezeichnet man eine PC-Komponente, die Bildschirminformationen für blinde Menschen als Braille-Zeichen taktil wahrnehmbar macht. Sie gibt den Bildschirminhalt zeilenweise mit Hilfe einer Software in Braille wieder.

C

Captcha

CAPTCHA steht für "Completely Automated Public Turing test to Tell Computers and Humans Apart", also eine automatisierte Methode, die es ermöglichen soll, die/den BenutzerIn einer Website eindeutig als Menschen zu identifizieren. Daher werden oft kleine Bilder mit Buchstaben und Zahlen auf Webseiten eingebaut und die/der BenutzerIn gebeten, die auf diesen Bildern angegebene Kombination einzugeben.

Cash Test

Die unterschiedliche Größe von Banknoten ermöglicht es blinden Menschen, diese zu unterscheiden. Der Cash Test ist eine Plastikschablone im Scheckkartenformat, in die man Geldscheine und Münzen einlegen kann, um dann an beschrifteten Markierungen deren Wert abzulesen.

D

Dialog im Dunkeln

„Dialog im Dunkeln“ nennt sich eine Erlebnisausstellung, bei der sehbehinderte und blinde Personen sehende BesucherInnen durch vollkommen abgedunkelte Räume führen. Es gibt dort jede Menge zu erleben, aber nichts zu sehen.

E

Epilepsiehund (Anfallshund)

Anfallshunde gehören zur Familie der Assistenzhunde und können eine/n EpileptikerIn oder deren/dessen Umfeld warnen, dass in Kürze ein epileptischer Anfall beginnen wird (Anfalls-Warnhund), oder sind speziell darauf trainiert, einer/einem EpileptikerIn während eines Anfalls zu helfen (Anfalls-Hilfshund).

Erhöhter Kündigungsschutz

Der „erhöhte“ Kündigungsschutz, welcher im Bundesgesetz vom 11. Dezember 1969 über die Einstellung und Beschäftigung behinderter Menschen (Behinderteneinstellungsgesetz - BEinstG) im §8 geregelt wird, geistert bedrohlich umher, wenn es um die Einstellung von Menschen mit Behinderung geht.

F

Farberkennungsgerät

Dieses ungefähr handygroße Gerät misst mittels eingebautem Scanner die Farbe und gibt das Ergebnis über Sprachausgabe aus. Derartige Wunderwerke gibt es in Kombination mit anderen Geräten, z.B. einem Lichtsensor, mit welchem man erkennen kann, ob Licht an- oder ausgeschalten ist, oder eine Funktion, mit welcher sich der Wert von Geldscheinen prüfen lässt.

H

Hörbüchereien

Wissbegierige blinde und sehbehinderte BücherfreundInnen können sich nur sehr eingeschränkt des Mediums Buch bedienen um ihre Sucht zu befriedigen. Es gibt die Möglichkeit sich Bücher einzuscannen und diese über die Sprachausgabe zu hören oder mit der Braillezeile zu lesen.

Hüftdysplasie

Bevor ein Hund zum Blindenführhund ausgebildet wird, muss er im Rahmen einer Gesunden-Untersuchung auf die körperliche Eignung untersucht werden. Dabei haben Führhundeschulen mit dem Ergebnis eines langjährigen Trends zu kämpfen: Der rassenspezifischen Überzüchtung.

L

Leitsystem

Akustische, taktile und haptische, also auf den Tastsinn bezogene, Hinweise erleichtern blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung. Es gibt die verschiedensten Modelle, von Leitsystemen im öffentlichen Raum, etwa akustische Ampeln oder Bodenleitstreifen entlang von U-Bahn-Bahnsteigen.

Lormen – das Handalphabet

Der Erfinder Hieronymus Lorm wurde am Donnerstag den 9. August 1821 in Mikulov, Tschechien (damals: Nikolsburg, Mähren) nahe der niederösterreichischen Grenze geboren. Im Alter von 15 Jahren erkrankte er schwer, woraufhin er sein Gehör verlor.

Louis Braille

Louis Braille, der Erfinder der sogenannten „Blindenschrift“, wurde am Mittwoch dem 4. Jänner 1809 in Coupvray bei Paris geboren. Im Alter von drei Jahren verletzte er sich beim Spielen, in der Sattlerwerkstätte seines Vaters, am Auge. Diese Wunde entzündete sich, wurde nicht behandelt und führte kurze Zeit darauf zur völligen Erblindung an beiden Au-gen.

Low Vision-Training

Unter Low Vision-Training versteht man Maßnahmen, die die Entwicklung von einer bestimmten Sehleistung und/oder eine bessere Ausnützung des vorhandenen Sehrestes zum Ziel haben. Damit kann eine Verbesserung der Sehleistung erreicht werden.

LPF-Training

Bei einem LPF (=Lebenspraktische Fertigkeiten) -Training wird der blinde Mensch darin geschult alltägliche haushälterische Arbeiten erledigen zu können. Dazu gehört z.B. neben Wäsche waschen, bügeln, Schuhe und Fenster putzen, auch kochen, backen und das vorausgehende Einkaufen.

M

Makuladegeneration

Die Makula ist der zentrale Punkt der Retina (Netzhaut), die so genannte macula lutea (gelber Fleck). Obwohl sie nur 5% der gesamten Netzhaut bildet, spielt sie für das "scharf" sehen eine entscheidende Rolle.

Mobilitätstraining

Bei diesem wird von einer/einem sehenden TrainerIn der blinden Person der Umgang mit dem weißen Langstock beigebracht. Denn auch der Gebrauch dieses äußerst nützlichen und auch notwendigen Hilfsmittels muss gelernt werden.

Monitoringausschuss

Der Monitoringausschuss ist ein unabhängiger Ausschuss, der die Einhaltung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen durch die öffentliche Verwaltung für den Bereich der Bundeskompetenz überwacht (Verwaltung des Bundes).

Moonalphabet

In den Jahren 1843–1845 entwickelte der Engländer William Moon eine tastbare Blindenschrift. Moon, der 1839 an den Folgen einer Scharlacherkrankung erblindete, erkannte, dass später erblindete Menschen beim Erlernen der damals schon verbreiteten Brailleschrift Schwierigkeiten hatten.

R

Retinitis Pigmentosa

Die Bezeichnung Retinopathia Pigmentosa oder Retinitis Pigmentosa (RP) beschreibt eine durch Vererbung oder spontane Mutation entstehende Netzhautdegeneration, bei der die Photorezeptoren zerstört werden. Man spricht von Pseudo-Retinitis pigmentosa (oder Phänokopie), wenn nicht erbliche Erkrankungen Symptome der RP zeigen, z.B. toxisch bedingt (z.B. durch Phenothiazine, Chloroquin).

S

Signalhunde

Signalhunde oder auch Hörhunde gehören zur Familie der Assistenzhunde, die Menschen mit Behinderungen dabei unterstützen die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Signalhunde helfen schwerhörigen oder gehörlosen Menschen dabei wichtige Geräusche wie zum Beispiel akustische Warnsignale im öffentlichen Leben oder im Arbeitsbereich wahrzunehmen.

Sprachausgabe

Mittels Sprachausgabe können sich technische Geräte durch gesprochenes Wort, anstatt nur durch optische Anzeigen, mitteilen. Dieses kann sowohl aus voll synthetischen Lauten (piepen, summen, klopfen, etc.), als auch aus Fragmenten natürlicher Sprache bestehen. Es gibt die unterschiedlichsten Geräte die mittels Sprachausgabe auch (oder gerade) von blinden Menschen genutzt werden (können).

Stachelschrift

Die Stachelschrift stellte einen weiteren Versuch dar, Schrift für blinde Menschen darzustellen. 1807 entwickelte Johann Wilhelm Klein, Gründer und erster Direktor des Wiener Kaiserlich-Königlichen Blinden-Erziehungs-Institutes, die Stachelschrift.

T

Torball

Torball ist eine der wenigen Teamsportarten für blinde Menschen! Um einen fairen Wettkampf zwischen SportlerInnen mit und ohne Sehrest zu garantieren, sind alle SpielerInnen verpflichtet, eine lichtundurchlässige Brille zu tragen. Es ist somit auch möglich als (grundsätzlich) sehende Person mit zu spielen.

U

Das Usher-Syndrom

Das Usher-Syndrom ist ein sowohl klinisch wie genetisch uneinheitliches Krankheitsbild, das erstmals 1858 von dem deutschen Augenarzt von Graefe beschrieben wurde als Kombination von Innenohrschwerhörigkeit und der Augenerkrankung Retinitis pigmentosa.