LPF-Training

Bei einem LPF (=Lebenspraktische Fertigkeiten) -Training wird der blinde Mensch darin geschult alltägliche haushälterische Arbeiten erledigen zu können. Dazu gehört z.B. neben Wäsche waschen, bügeln, Schuhe und Fenster putzen, auch kochen, backen und das vorausgehende Einkaufen. Dazu wird auch der richtige und effiziente Gebrauch der Hilfsmittel vermittelt. Blinde Menschen und kochen ist kein Gegensatz, es geht, aber wie, das lehrt die/der TrainerIn beim LPF-Training. Kochen wird hier eine allumfassende Angelegenheit, mit allen Sinnen. Ob Wasser z.B. kocht kann man nicht nur sehen, sondern es wird auch gehört. Ob ein Wiener Schnitzel schon die „richtige“ Kruste hat, kann man mit der Gabelspitze erfühlen oder nach Zeit bei gleichbleibender Temperatur abstoppen.

Eine Gemeinsamkeit zwischen behinderten und nicht behinderten KöchInnen ist, Wissen kommt mit der Erfahrung (learning-by-doing). Es ist noch kein/e KöchIn vom Himmel gefallen. Und wer will schon jeden Tag eine Fertigpizza.

Auch das Wissen um die Zusammenstellung der Wäschestücke beim Waschen ist keine Selbstverständlichkeit, ob jetzt grün oder lila zusammen, oder blau und schwarz, oder jede Farbe einzeln.

Hierzu sei mir ein Einwurf über die Rolle der Eltern eines blinden Kindes gestattet. Es gibt Eltern die stehen auf dem Standpunkt „Unser Kind wird sowieso mal im Heim leben, da es nichts sehen kann, also warum muss es dann wissen, welche Farben man nun zusammen waschen darf oder  nicht?“. Darum wird das blinde Kind nur sehr halbherzig in die Haushaltsführung eingeschult.

Dem Kind gelingt es nur sehr schwer sich als Erwachsene/r von dem schlechten Einfluss dieser Einstellung zu befreien und zu sich selbst zu stehen.

Denn wie heißt es so treffend: „Die Erziehung ist wie ein Topf, den man als Kind übergestülpt bekommt und der das ganze Leben an einem herunterrinnt!“.