Harald Fiedler

Harald Fiedler

Was will ich über mich verraten?

Ich bin vor nunmehr 38 Jahren als Sohn meiner Mutter Helene und meines Vaters Georg geboren worden. Dieses einzigartige Ereignis fand in einen kleinen Dorf mit Namen Kleinhadersdorf, das im Norden des Weinviertels liegt statt.

Ich besuchte den Kindergarten, die Volks- und Hauptschule in der benachbarten Stadt Poysdorf und die Handelsschule in Wien.

Seit dem 1. August 1988 arbeite ich Vollzeit im Landesklinikum Weinviertel Mistelbach.

Der Liebe meines Lebens wegen zog ich Mitte 2005 nach Wien, wo wir zusammen mit unserer Führhündin Britta, unseren noch sehr jungen Graupapagei Dani und unseren Kaninchen Krümelchen leben.

Welche Behinderung habe ich?

Ich würde mich zur Gruppe der praktisch Blinden zählen. Aufgrund meiner beiden Augenerkrankungen retinitis pigmentosa und Makuladegeneration, bei welchen die Sehkraft immer mehr abnimmt, bin ich im Stadium des Hell-Dunkel-Sehens angelangt, das heißt. Ich kann z. B. Straßenlaternen nachts gut erkennen, wegen des guten Kontrastes und ich erkenne tagsüber ob ich vor einen Haus stehe oder nicht.

Aber das wars dann schon mit meiner Sehkraft.

Wie beeinflusst meine Behinderung mein Leben?

Da ich in Wien wohne habe ich keinen Stress mit dem mangelnden Mobilitätsangebot des ländlichen Raumes.

Barrieren im Kopf, undurchschaubare Internetseiten, fehlende Ausstattung mit akustischen Ampelsignalen oder Blindenleitstreifen im öffentlichen Raum sind nur einige Beispiele für meine eigentlichen Behinderungen.

Das Schlagwort “Ich bin nicht behindert, ich werde behindert!” hat nur teilweise etwas Wahres. Den Natürlich werde ich durch meine eingeschränkte Sehkraft beeinträchtigt, z.B. beim Autofahren. Ich empfinde diese beeinträchtigung als nicht so gravierend, den wie viele Einwohner Wiens können auch nicht autofahren, aber sind deswegen alle behindert?

Teil des Erfolgsrezeptes für ein geglücktes Leben, nicht nur eines „behinderten“ ist sein Augenmerk mehr auf die Dinge zu legen, die man kann, als auf die, die man nicht kann. Natürlich spricht nichts gegen lebenslanges lernen, aber durch dieses deffizitorientierte Denken steht man sich selbst im Weg.

Wie beeinflusst meine Behinderung meine Arbeit?

Es ist mir inzwischen gelungen meine KollegInnen für meine Behinderung zu sensibilisieren, aber dennoch ist da ein Mangelndes Vertrauen in meine Arbeitsfähigkeit, und ich kenne aus Erzählungen auch behinderter Freunde, dass sie von ihren KollegInnen geschnitten werden, weil sie die Arbeitsstelle blockieren und eigentlich Platz machen könnten, für jemanden, der mehr leisten kann.

Ich würde mir des Öfteren einen gelasseneren Zugang zu Leistung wünschen, wobei ich nichts gegen qualitativ höchstmögliche Ansprüche sagen will, aber möglichst viel in möglichst kurzer Zeit leisten zu müssen ist ein Denken, das langfristig verhängnisvoll ist und nur kurzfristig etwas bringt.

Welchen Barrieren begegne ich in meinen Leben?

Wie schon gesagt: Barrieren im Kopf, mangelnde Akzeptanz, Berührungsängste, Barrieren auf dem virtuellen Highway und beim Mobilitätsangebot im ländlichen Raum. Und es bereitet mir immer Kopfzerbrechen, wie wenig akustische Ampeln z.B. in kleineren Städten Österreichs zu finden sind. Nur weil scheinbar keine Nachfrage danach besteht, ist doch der Bedarf vorhanden.

Was muß geschehen, um die Akzeptanz von Menschen mit Behinderung zu ermöglichen?

Menschen mit Behinderung müssen selbstbewusster werden. Wir dürfen uns nicht hinter dem Licht-Ins-Dunkel-Klieschee verstecken. Weil wir behindert sind, können wir mehr und verfügen über ein Wissen, dass Menschen ohne Behinderung nicht haben. Natürlich ist behindert zu sein, kein erstrebenswerter Zustand, aber ein derartiges schwarzes Loch, wie allgemein angenommen ist es doch auch nicht.

Wir dürfen und sollen uns nicht zu Hause verstecken, sondern müssen present sein, ob in der Öffentlichkeit, aber auch in den Medien.

Was wünsche ich mir von Menschen ohne Behinderung beim Umgang mit mir?

Natürlichkeit und eine offene Kommunikation, Akzeptanz des Menschen Harald Fiedler.