Verkehrsschild in einem großen Raum, auf dem Schild sind Silhouetten von 2 Personen die gehen und auf ihr Handy schauen. Darunter steht Achtung! Smombie!

Stoppt die Smombies!

Ein heftiger Ruck, der sich über den Stock in mein Handgelenk überträgt, ein lautes Aufseufzen und das Fallen eines Körpers, ein leiseres Klappern eines metallenen Gegenstandes auf dem Asphalt des Gehsteiges. Kurz der Gedanke: „Schon wieder einer“, da wurde ich auch schon von einem männlichen Wesen angebrüllt ob ich nicht aufpassen könne. Schon an derartige Szenen gewöhnt blieb ich ruhig und zeigte meinem hörbar erbosten Gegenüber meinen Blindenstock und fragte lächelnd „Und welche Ausrede haben Sie?“

Ich habe auch eine innige Beziehung zu meinem Smartphone, ich würde sogar behaupten, ich würde mich damit unentwegt beschäftigen. Aber da ich leider nur mit zwei Händen ausgestattet bin – ein Umstand, den ich schon des Öfteren bedauert habe – und ich mit der einen Hand den Blindenstock schwingen muss, bliebe mir lediglich die andere Hand zum Navigieren auf dem Smartphone, was mit der Voice Over Bedienung nicht möglich ist. So habe ich also die Gelegenheit mich voll und ganz auf meine Umgebung zu konzentrieren. Auch einer der Vorteile meiner Beeinträchtigung.

Eines der Übel unserer modernen Zeit sind sogenannte „Smombies“ – ein Kunstwort aus Smartphone und Zombie. Jene in ihr Smartphone versunkenen ZeitgenossInnen, die, während sie gehen, oder noch schlimmer während sie mit dem Auto fahren, auf den Bildschirm ihres Handys starren und ihre Umwelt völlig ausblenden. Ich erwische nicht viele, aber die Wenigen, die ein Opfer meines Stockes wurden, sind schon zu viele.

Wie man sich auf diese Weise der Aufmerksamkeit für seine Umgebung berauben kann ist für mich nur schwer nachvollziehbar. Man hat Augen, die funktionieren und ist trotzdem im Grunde blind. Sich Fortzubewegen ist scheinbar eine recht monotone Angelegenheit und viele versuchen diese scheinbar verlorene Zeit lieber durch Kommunikation mit ihrer virtuellen Welt zu verbringen als ihre Umgebung richtig wahrzunehmen. Ich verbringe die Zeit dann doch lieber mit dem Wahrnehmen der Geräusche um mich herum, lasse meine Haut von Sonnenstrahlen wärmen oder hänge einfach meinen Gedanken nach. Vielleicht verwandelt sich ja doch der eine oder die andere wieder zu einem Menschen und lässt den „Smombie“ im Caféhaus zurück.

Euer Harald