Stephen Hawking

Der schwerbehinderte Astrophysiker Stephen Hawking ist einer der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit. Bei dem 1942 in Oxford geborenen Briten wurde 1963 amytrophe Lateralsklerose (degenerative Erkrankung des Nervensystems) diagnostiziert. 1968 zwang die Krankheit den Wissenschaftler in den Rollstuhl. Durch eine Lungenentzündung, die eine akute Atemnot auslöste, musste 1985 bei dem Physiker ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden. Bei diesem Eingriff verlor Hawking die Fähigkeit zu sprechen.
Jeder hat schon mal von dem Wissenschaftler gehört, gelesen oder etwas gesehen. Ob es eines seiner populärwissenschaftlichen Bücher wie zum Beispiel “Das Universum in der Nußschale” oder “Eine kurze Geschichte der Zeit” war oder der Fernsehfilm “Hawking - Die Suche nach dem Anfang der Zeit”. Selbst wenn man sich nicht für Astronomie, Physik oder Mathematik interessiert, so war der Wissenschaftler auch schon an Bord des Raumschiffs Enterprise in der Folge “Das nächste Jahrhundert” zu sehen. Seit seinem Sprachverlust im Jahre 1985 kommuniziert der Brite über einen Sprachcomputer. Weil Hawking, bedingt durch die amytrophe Lateralsklerose, den Computer nicht mit den Händen bedienen kann, steuert er diesen durch die Wangenmuskulatur. Über einen Infrarotsender, der an seiner Brille befestigt ist, werden die Bewegungen der Wangenmuskeln registriert und an den Rechner weitergeleitet. Eingefleischte Pink Floyd Fans wissen das. Denn in dem Song “Keep Talking” aus dem Album “The Division Bell” spricht Hawking mit seiner “Stimme” den Satz: “For millions of years mankind lived just like the animals. Then something
happened which unleashed the power of our imagination: We learned to speak.” In Deutsch: “Vor Millionen von Jahren lebte die Menschheit wie die Tiere. Dann passierte etwas, dass die Kraft unserer Vorstellung entfesselte: Wir lernten zu sprechen.”

Seit 1979 ist Stephen Hawking Inhaber des renommierten Lucasischen Lehrstuhls  für Mathematik an der Universität Cambridge. Seine berühmtesten Vorgänger waren Sir Isaac Newton und Paul Dirac.

1981 nahm Hawking an der Kosmologietagung im Vatikan  teil und sorgte für Schlagzeilen, als er seine Ansichten über das Universum formulierte: “Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum
wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang, noch ein Ende; es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?”
Bei dieser Tagung stellte Hawking die These auf, dass das Universum ein Phänomen sei, das einfach da wäre und keines Schöpfergottes bedarf. Damit stieß Hawking in Kirchenkreisen auf heftige Kritik. Im Oktober 2008 lud Papst Benedikt XVI. den Astrophysiker zur Konferenz der Päpstlichen Akademie der  Wissenschaften ein.
“Im Zentrum steht nicht der Streit zwischen Darwinisten (Anhängern der Evolutionslehre) und Kreationisten (die die biblische Schöpfungsgeschichte zur alleinigen Wahrheit erheben) - das ist ein Streit, für den der Papst ohnehin nicht viel übrig hat.”

Vielmehr solle “über die eigentlichen Ursprünge der Dinge, ihre Ursachen und ihr Ende, über die Bedeutung der menschlichen Geschichte und des Universums” nachgedacht werden, berichtete die Frankfurter Rundschau über die Konferenz. Über Hawkings schwere Krankheit sind nur wenige Menschen informiert. Das
liegt nicht daran, dass es in den Medien nicht publiziert wird, sondern weil seine wissenschaftlichen Arbeiten und Thesen im Vordergrund stehen - und nicht seine Behinderung. Damit hat der Professor den meisten Menschen mit Behinderung etwas voraus; Stephen Hawking wird als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft angesehen, wird respektiert und kann seinen Beruf ausüben, weil keine Zweifel an seinen Fähigkeiten bestehen. Warum dieser Respekt und dieses Vertrauen nicht allen Menschen zu Teil wird die “anders” sind, wird wohl so abstrakt bleiben wie die Unendlichkeit des Universums.

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