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DAISY - “Digital Accessible Information System”

Mittwoch, 3. Dezember 2008

DAISY ist die Bezeichnung eines weltweiten Standards für interaktive Hörbücher. Die Abkürzung DAISY steht für “Digital Accessible Information System” (Digitales System für den Zugang zu Informationen) und ist im weitesten Sinne ein Audioformat, das ursprünglich für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt
wurde. Das  Besondere an einem DAISY-Hörbuch ist, dass es navigierbar ist.Der Benutzer kann von Kapitel zu Kapitel springen oder die Seitenzahlen direkt ansteuern. Das aufsuchen einzelner Sätze oder Phrasen ist mit der DAISY-Technik kein Problem mehr. Um diese Funktionen nutzen zu können, muss der
Benutzer über ein DAISY-Abspielgerät verfügen. die Geräte werden in verschiedenen Preisklassen angeboten. Mit hochwertigen Geräten können an beliebigen Stellen
in einem Buch Lesezeichen gesetzt werden, die das  Auffinden von Textpassagen spielend einfach machen. Außerdem können eigene Gesprächsnotizen bei hochpreisigen
Geräten eingefügt werden.

Blinde und hochgradig sehbehinderte Menschen können Hörbücher im deutschsprachigen Raum in verschiedenen Hörbüchereien ausleihen. Die ersten Hörbüchereien für Blinde und Sehbehinderte entstanden in den 50er Jahren. So wurde 1957 in Wien die erste Hörbücherei im Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverband gegründet. Zu dieser Zeit existierte die „Blindenbücherei in Tonaufnahmen” in der Schweiz schon sieben Jahre und wurde später in „Schweizerische Bibliothek für Blinde und Sehbehinderte”
umbenannt. In Deutschland entstanden mehrere Hörbüchereien in verschiedenen Bundesländern. Im damals noch geteilten Deutschland entstand 1954 im hessischen Marburg im Westen die erste Blindenhörbibliothek, die “Deutsche Hörbücherei”. In Ostdeutschland entstand 1956 die erste Hörbücherei als eine Unterabteilung der “Deutschen Zentralbücherei zu Leipzig”.

Im Herbst 2004 wurde die Mediengemeinschaft für blinde und sehbehinderte Menschen e.V. (MEDIBUS) gegründet. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sind Produzenten und Bibliotheken, die blindengerechte Medien herstellen. MEDIBUS fasst alle “Werke”, die in Blindenschrift oder als Blindenhörbuch im deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehen, in einem Katalog zusammen, der über das Internet abrufbar ist. Der Vorteil für blinde und sehbehinderte Nutzer der Blindenbibliotheken liegt darin, das er nicht jede einzelne Bibliothek abfragen muss, ob ein bestimmtes Buch zur Verfügung steht.

In den ersten Jahren wurden die Hörbücher auf Tonbänder und später auf Audio-Kassette gelesen. In den 90er Jahren entstanden die ersten Überlegungen, auf digitale Medien umzusteigen und neue Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln. Es sollte eine Technik geschaffen werden, die blinden und sehbehinderten Menschen zumindest annähernd die gleichen Nutzungsmöglichkeiten von Literatur bietet wie sehenden Menschen. Die schwedische Regierung stellte der „Talkboks- och Punktskriftsbiblioteket (TPB)” für ein dreijähriges Projekt Gelder für diesen Zweck zur Verfügung. Die TPB entwickelte mit der schwedischen Computerfirma „Labyrinten Data” eine Software, basierend auf dem schon bestehenden DAISY-Konzept.

Die Anforderungen an die Software waren:
* über 20 Stunden Audiotext auf einer CD zu speichern
* Ein Hörbuch über ein Inhaltsverzeichnis navigierbar zu machen
* den Audiotext abschnitts- und phrasenweise durchgehen zu können
* bestimmte Seiten zu suchen
* Lesezeichen setzen zu können

Diese Ziele wurden erfolgreich umgesetzt und 1994 kam die erste Software auf den Markt, die es Windows-Usern ermöglichte, die neue Technik zu nutzen. Im selben Jahr präsentierte die japanische Firma „Shinano Kenshi / Plextor” erste Ideen, um DAISY-Hörbücher auf einem mobilem Gerät abzuspielen. Es folgte die Gründung des DAISY Consortiums, um die Entwicklung von DAISY voranzutreiben. Inzwischen passen auf ein DAISY-Hörbuch 40 Stunden gesprochener Text - das entspricht ungefähr 800 Buchseiten.

Die ständige Weiterentwicklung von DAISY und die vielen Vorteile des neuen Hörformats führten dazu, das seit einigen Jahren neue Hörbuchproduktionen der Blindenbibliotheken  nur noch im DAISY-Format erstellt werden. Ältere Produktionen, die noch auf Audiokassette erhältlich sind, werden bis 2010 digitalisiert. Dann, so der Beschluß der Blindenbibliotheken,  wird der Versand von Audiokassetten vollständig eingestellt.

Die vielen Vorteile des DAISY-Hörbuchformats haben auch die kommerziellen Anbieter erkannt. Somit ist DAISY, das für blinde und sehbehinderte Menschen entwickelt wurde, das wahrscheinlich erste Produkt, das einen Nutzen für sehende Menschen gebracht hat. Das erste im Handel erhältliche DAISY-Buch mit dem Titel “Tatort Schweiz” erschien 2005 in der Schweiz und war europaweit erhältlich. Inzwischen hat das DAISY-Hörbuch einen kleinen Platz im kommerziellen Buchhandel.

copyright by Andreas Gördes

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